Kroatien-Törn 2016

Posted by mfredenhagen | Skipper Mario
Segeln 2016 Skradin

© Beat 2016

Mein erster Törn als Skipper 🙂

Nach nun mehreren Jahren als Mitsegler mit SKS-Schein habe ich mich dieses Jahr entschlossen selbst zu skippern. Hintergrund dieser Entscheidung war, dass ich die letzten beiden Törns kaum zum Lernen und Vervollkommnen meiner Fähigkeiten bei der Schiffsführung nutzen konnte. Besonders mein letztjähriger Törn im Solent, der als Skippertraining ausgeschrieben war, war aus versicherungstechnischen Gründen “OHNE” Hafenmanöver.
Also war es an der Zeit nun selbst die Verantwortung zu tragen. Eine Crew kam trotz meiner nicht vorhandenen Skippererfahrung zusammen und ich beschloss auch meinen Sohn mitzunehmen. Die Crew bestand aus 4 erwachsenen Männern mit unterschiedlichen Segelkenntnissen:

  • Markus, einen Segler mit SKS-Schein und vielen Meilen (wesentlich mehr als ich)
  • Steff, einen Binnen-/Jollensegler
  • Matscher, der schon einen Törn als Mitsegler absolviert hatte (bei dem ich auch als Mitsegler dabei war)
  • Beat, der sporadisch auf Binnenseen mitgesegelt ist und im letzten Jahr eine Hausboot-Tour gemacht hat
  • Peer, Leichtmatrose und mein Sohn

Also begann ich mich um ein Schiff, um das Fahrtgebiet und das Aufsetzen einer Mitsegelvereinbarung zu kümmern. Für den Vercharterer fiel meine Wahl auf Pitter Yachting, wo ich von Alain Nadler super betreut wurde. Und damit war das Fahrtgebiet auch schon klar: Kroatien. Zuerst wollte ich die Kvarner Bucht erkunden, da aber die Anreise dahin mit Umsteigen verbunden gewesen wäre, entschied ich ein Revier in der Nähe von Split auszusuchen. Und da ich die Inseln südlich von Split schon zusammen mit Matscher befahren habe, sollte es nun die Inselwelt der Kornaten werden. Bei Pitter fand ich ein, wie mir schien, vernünftiges Schiff zu einem guten Preis: die Maria II. Dann erkundete ich auf OpenSeaMap und mit einem Hafenhandbuch von Beat möglich Törnziele und schnell war aus den vielen Häfen, Buchten und Konobas eine Route zusammengestellt. Es sollte zuerst nach Skradin und den Krka-Wasserfällen gehen. Von dort dann die nächste Etappe nach Primošten und dann weiter in eine der vielen Buchten der Insel Kornat. Von dort zur Nachbarinsel Dugi Otok in die Bucht Telašćica. Als nächsten Ziel dann nach Murter und zurück zum Ausgangshafen Šibenik. Diese vorläufige Route habe ich dann auch beim Crewtreffen Markus, Steff und Beat präsentiert. Bei diesem Treffen sprachen wir dann auch über die Erwartungen und es wurde schnell klar, dass der Schwerpunkt Segeln und gut Essen sein sollte. Ich recherchierte noch Packlisten und eine Checkliste für die Übernahme der Yacht. Ich war aufgeregt und auch ein bisschen nervös, da es ja heisst, dass man als Skipper mit einem Bein im Gefängnis steht, da man ja die Verantwortung für die ganze Crew hat.
Dann begann das Packen und ich nahm auch die Seemannschaft, Handbuch für den Yachtsport und mein Navi-Besteck aus der Ausbildung mit. Wie sich an Bord rausstellte, hätte ich diese Sachen zu Hause lassen können ebenso wie meine Ferienlektüre “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär”, da dass Schiff gut ausgerüstet war und ich keine Zeit zum Lesen fand. Aber das ich mein Ölzeug trotz geplanten Schönwettersegelns eingepackt habe war schlussendlich eine gute Entscheidung. Zwei Wochen vor Törnbeginn habe ich noch die Skipperhaftpflicht und den SMS-Wetterbenachrichtigungservice bei Yachtpool abgeschlossen sowie einige iPhone-Apps für das Führen des Logbuchs, Ankeralarm und Revierführer installiert. Dazu später mehr.
Leider fiel Markus krankheitsbedingt kurz vor dem Törn aus 🙁 , was meine Nervosität doch noch ein wenig steigerte. Ich hatte ein wenig darauf gebaut, mit ihm an Bord einen Ratgeber bei kniffligen Entscheidungen zu haben. Ich beruhigte mich aber damit, dass ich das auch alleine schaffe und die anderen sprachen mir auch nochmals ihr Vertrauen aus. Durch den Ausfall von Markus war aber die Untergrenze der Crewstärke erreicht, mit der ich noch fahren wollte.
Dann endlich hiess es “Jetzt geht’s los”. In aller Frühe mussten wir aufstehen und meine Frau brachte mich und meinen Sohn zum Flughafen, wo wir “just in time” ankamen und uns beeilen mussten das wir noch rechtzeitig zum Gate kommen. Und was passierte dann ausgerechnet? Genau, bei der Sicherheitskontrolle musste ich die Automatikweste meines Sohnes aus seinem Seesack ganz unten herausholen und zeigen. Aber schlussendlich waren wir rechtzeitig am Gate und durften uns auch noch an der Schlange anstellen. Am Flughafen warteten wir 40 Minuten auf die Ankunft von Matscher und einer weiteren Seglerin, die sich mit uns das Taxi teilen wollte und mit dem selben Flugzeug wie Matscher kam. Der Transfer vom Flughafen zur Marina in Šibenik, der vom Vercharterer
Mare-Yachting organisiert wurde, klappte ganz hervorragend, obwohl Peer die Kurvenfahrt ein wenig auf den Magen schlug. Wir kamen aber problemlos in der Marina an und der nette Taxifahrer bot uns sogar an unsere Einkäufe kostenlos vom Einkaufszentrum bis zum Schiff zu fahren. Wir nutzten sein Angebot und versorgten uns, da wir durch unsere frühe Ankunft und der geplanten Übernahme des Schiffs gegen ca. 13:00 Uhr entsprechend Zeit zur Verfügung hatten.
Dann kam Ivan, der für die Schiffsübergabe verantwortlich war und erklärte uns in zügigem Tempo die wesentlichsten Punkte. Ich konnte auch meine Fragen stellen, aber meine Checkliste konnte ich nicht abarbeiten. Trotzdem hatte ich ein gutes Gefühl, dass das Schiff in Ordnung ist und ich alles Wesentliche wusste um das Schiff sicher zu führen. Dann also Kojen beziehen, Lebensmittel und Getränke verstauen, Sicherheitseinweisung und klar machen zum auslaufen. Dadurch, dass Markus nicht mitgekommen war, hatte sich auch das Problem der Kojenzuteilung gelöst: jeder hatte eine Doppelkabine zur alleinigen Nutzung ausser Peer und ich. Wir schliefen in der Achterkabine auf der Steuerbordseite bei der Navigation.
Als erstes fuhren wir unter Motor in den Kanal und trainierten dort jeder das “Mann über Bord”-Manöver. Dann fuhren wir weiter den Kanal entlang bis zum See kurz vor Skradin. Dort wurde das erste Mal Segel gesetzt, aber der Wind war schon beim Abflauen und wir packten die Segel schnell wieder ein. Zumindest konnten wir dadurch Ivan’s Aussage überprüfen, dass die Segel in Ordnung seien. Die Crew wollte dann nicht nach Skradin und so fuhren wir zurück in die Marina Šibenik. Und nun kam die erste Bewährungsprobe für mich als Skipper: der erste Anleger des Törn’s rückwärts an einen Fingersteg. Und siehe da, es klappte auf Anhieb. Das war ein gutes Gefühl und gab Selbstvertrauen. Das war dann schon das traditionelle Anlegerbier wert und danach machten wir uns landfein für das Restaurant in der Marina.
Am nächsten Tag verkündete der SMS-Wetterbericht dann 5-6 Bft draussen auf der Adria, sodass wir beschlossen noch einmal den Kanal hinauf zufahren, diesmal aber in Skradin zu übernachten. Nur unter Genua im ersten Reff konnten wir einen Grossteil des Kanals hinauf fahren und dann noch einmal auf dem See vor Skradin segeln. Ich hatte vorher den Hafenmeister in Skradin angerufen und uns angekündigt. Dies war garnicht nötig, da so früh in der Saison noch genügend Plätze im Stadthafen frei waren. Diesmal war der Anleger nicht so einfach: wir hatten Seitenwind und die Crew kam mit der Mooringleine nicht auf Anhieb klar. Glücklicherweise war in Lee viel Platz und nach dem der erste Anlauf missglückt war, ging es beim zweiten Mal schon besser. Dennoch hat es uns seitlich ganz schön vertrieben, aber mit Hilfe der Mooring und der Achterleine sowie des geduldigen Hafenmeisters konnten wir die Maria II verholen und sicher vertäuen. Wir suchten uns ein Restaurant und hatten Glück: es war ausgezeichnet und dazu auch noch günstig. Danach besuchten wir die Krka-Wasserfälle und liessen den Abend ausklingen. Da die Wetterprognose immer noch Bora der Stärke 5-6 Bft vorhersagte, beratschlagten wir welches Ziel wir als nächstes anlaufen sollten. Wir wollten “mal die Nase rauszustrecken” und wenn es ginge nach Murter in die Marina Hramina fahren. Unterwegs im Kanal kurz vor Šibenik kam plötzlich die Öldruckwarnlampe des Motors. Also riefen wir Ivan an und fuhren wieder in die Marina, in deren Nähe wir uns glücklicherweise befanden. Nach Begutachtung des Mechanikers, beim dem der Alarm glücklicherweise auch einmal auftrat, wurde das Problem auf einen altersschwachen Drucksensor geschoben und uns gesagt, wir könnten weiterfahren. Das taten wir auch und segelten mit gerefften Gross- und Vorsegel bei 5 Bft sicher nach Murter. Später kam dann ab und zu nochmals die Öldruckwarnlampe, welche ich durch Veränderung der Motordrehzahl wieder löschen konnte. Kurz vor Murter hatte der Wind dann noch ein wenig zugelegt und es pfiff ganz ordentlich in der Takelage. Auch in der Marina Hramina in Murter gestaltet sich der Anleger nicht ganz so einfach. Ich musste wieder ein zweites Mal ansetzen und dann passierte mir auch noch ein Fehler. Ich hatte den Rückwärtsgang nicht richtig ausgekuppelt und wollte daher aufstoppen, aber statt vorwärts Gas zu geben legte ich den Gashebel in die falsche Richtung um; ich stand falsch herum. Glücklicherweise hatten wir zwei grosse Kugelfender hinten ausgebracht, die das Schiff abfederten. Das war schon ein grosser Schreck und ich ärgerte mich über diesen blödsinnigen Fehler. Es war ja glücklicherweise nichts passiert und die Crew sah das garnicht als Anfängerfehler oder Unerfahrenheit. Für mich war es aber ein Wink, mich besser zu konzentrieren! Am Abend gingen wir dann in Murter in die Konoba Boba, wo wir wieder sehr gut verpflegt wurden.
Als wir am nächsten Morgen auslaufen wollten, startete plötzlich der Motor nicht mehr. Also wieder Ivan angerufen und der organisierte einen Mechaniker, da er selbst mit dem Boot unterwegs war. Das dauerte leider ganz schön lange und die Diagnose war dann, dass die Starterbatterie des Motors tot war. Der Mechaniker überbrückte die Kontakte der Starterbatterie mit der Versorgerbatterie und der Motor startete wieder. So aber wollte ich und auch die anderen nicht rausfahren. Es wehte immer noch stark und ich musste mich auf die Maschine verlassen können. Zum Beispiel beim Kurshalten während des Reffens oder beim Anlegemanöver. Also wieder Ivan angerufen und der schickte uns dann einen Mechaniker aus Šibenik mit einer neuen Batterie. Dies dauert nochmals lange, sodass wir erst um 15:00 Uhr die Marina verlassen konnten. Wir beschlossen in den Nationalpark Kornati zu fahren und bekamen vom Mechaniker noch den Tipp, die Konoba Žakan anzulaufen, da diese gut geschützt sei. Mit relaxten Amwindkurs bis Raumwind kamen wir an der Südspitze der Insel Kornat an und liessen die Konoba Opat an Steuerbord liegen und kamen dann zur wunderschönen Konoba Žakan. Wir konnten längsseits am Steg festmachten und ich konnte ein Bilderbuchmanöver fahren. Es war inzwischen abgeflaut und ein warmes Licht liess die Insel mit dem Restaurant erstrahlen. Das Wasser war türkisgrün und klar und verführte die Crew zum Baden. Und das bei nur 14°C Wassertemperatur. Eindeutig zu kalt für meinen Geschmack, aber den anderen scheint das kurze Vergnügen Freude bereitet zu haben. Dann, wie es so Usus ist wenn man an einer Konoba kostenlos liegen darf, sind wir im Žakan Essen gegangen und haben noch das Championsleague Fussballspiel im Fernsehen geschaut.
Am nächsten Morgen dann sollte das Ziel die Telašćica Bucht der Insel Dugi Otok im Norden von Kornat sein. Wieder hatten wir eine kräftige Bora und ca. 1.5m Welle und bei der Ausfahrt fielen ein paar kräftige Fallböen ein. Eine davon riss mir sogar die Mütze vom Kopf, aber ein “Mütze über Bord”-Manöver schien mir unter diesen Umständen als zu aufwendig. Wir mussten gegenan kreuzen und hart am Wind stampfte das Boot kräftig in den Wellen. Also fuhren wir nicht ganz so hart und mussten auch unterwegs reffen. Zwischenzeitlich hat wir mehr als 30 kn Wind, Windstärke 7! Matscher wollte uns mit “Schnittchen” versorgen, musste dies aber wegen Übelkeit unterbrechen. Glücklicherweise verschwand die Übelkeit wieder rasch, nachdem er die Fische gefüttert hatte. Da wir früh aufgebrochen waren und mit dem starken Wind gut Fahrt machen konnten, waren wir frühzeitig in der Bucht und machten an einer Boje fest. Anschliessend sind wir mit dem Dinghi, und zur Freude von Peer mit Aussenborder, ans Land gefahren. Die dortigen Konobas waren noch geschlossen aber das Toilettenhäuschen konnten wir benutzen. Auf Dugi Otok wollten wir uns den Salzsee, an dessen Ufer angeblich “Der Schatz im Silbersee” gedreht worden sein soll und die Steilküste anschauen. Wir umwanderten den See und besichtigten die Klippen; ein fantastisches Naturerlebnis aber dieser Silbersee hat nichts mit Winnetou zu tun. Wir kochten das erste und einzigste Mal an Bord und schliefen bei absoluter Ruhe in der Bucht.
Nun war es an der Zeit wieder den Rückweg anzutreten. Wir beschlossen in Richtung der Insel Murter zu fahren, diesmal aber in den Südteil der Insel, wenn es der Wind zulässt. Wir passierten die Vela Proversa unter Motor und setzen danach die Segel. Zum ersten Mal hatten wir nur leichten, stark schrallenden Wind. Zwischenzeitlich gab ich schon unser Ziel Südmurter auf und dachte daran noch einmal die Marina Hramina anzulaufen. Doch dann frischte es auf und wir kamen zügig voran. Wir erreichten das schöne Fischerdorf Jezera, wo wir in der ACI Marina übernachteten und das kulinarische Highlight der Reise in der Konoba Boris hatten.
Nun waren wir schon weit südlich und nicht mehr weit vom Ausgangshafen entfernt, sodass wir beschlossen eine grosse Schleife um die Insel Zirje herum zu machen und dann nach Šibenik zu fahren. Wir hatten prächtiges Wetter und nicht ganz so starken Wind und es wurde fast noch ein bisschen spät als wir getankt hatten und wieder im Hafen waren; die Zeit voll ausgenutzt.

Unser Track als Aufzeichnung aus der Logbook-App:
Kornatentörn 2016 Elan 434 Impression “Maria II”

Diesen Track musste ich noch nachbearbeiten, da einige GPS-Positionen viel zu ungenau waren und teilweise sogar auf Land lagen. Die App ist zwar ganz nett, aber ich hatte einige Problem mit dem Upload der Daten und eben die Genauigkeit der GPS-Daten könnte besser sein. Ich habe mich bewusst entschieden nicht das kontinuierliche Tracking zu verwenden und stattdessen nur die Manöver und Kursänderungen analog einem klassischen Logbuchs zu führen. Das führte aber auch dazu, dass einige Eintragungen vergessen wurden oder zu spät eingetragen sind. Das Programm ist gut, hat aber noch Verbesserungspotenzial. Die App mySea habe ich als sehr gelungen empfunden. Es macht Spass damit zu recherchieren und es hat viele wichtige Informationen, wie zum Beispiel Telefonnummern der Hafenmeister, Restaurantempfehlung und Liegegebühren. Die App Ankeralarm habe ich schlussendlich nicht gebraucht, da wir den Anker kein einziges Mal fallen lassen haben.

Insgesamt war das ein gelungener Törn und alle waren zufrieden und haben bekundet nochmals mitkommen zu wollen. Was den Skipper natürlich freut. Das Schiff war trotz der Probleme soweit in Ordnung und liess sich bei den seglerisch anspruchsvollen Bedingungen sicher führen. Und auch mein Sohn fand es toll, auch wenn ich manchmal dachte, dass er sich langweilt. Aber er konnte die Yacht mal steuern, Dinghi fahren, die Fender ausbringen und verstauen, an der Winsch kurbeln, Angeln und mit seinem Vater zusammen sein.
Ich freue mich schon jetzt auf meinen nächsten Törn als Skipper!